Von den Schattenseiten des Lichts: Zweiter Workshop von »kT Fellows« in Jena

Foto: Anna Perepechai

Auch zweiten Workshop des Mitmachprogramms wurde der Jenaer TRAFO wieder zum offenen Kreativlabor. Passend zum Motto der »Lichtstadt Jena« setzte sich eine Gruppe aus Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Bürger*innen in verschiedenen Experimenten damit auseinander, welche Kraft Licht entfalten kann – und ob diese Kraft sinnvoll verwendet werden kann. Im Vordergrund stand das gemeinsame Ausprobieren: »Wir nutzten das Licht, um foto-chemische Prozesse in Gang zu setzen und die Sonne für uns zeichnen zu lassen. Und wir begaben uns in die Dunkelheit und ließen Schattenpanoramen entstehen«, so die Workshopleiterin Rosmarie Weinlich. Hinter all dem stand die Frage, welchen Stellenwert hat das Licht in unserem Alltag hat und welche Rückschlüsse für den ganz persönlichen Umgang mit Licht gezogen werden können.

Im ersten Teil des Workshops experimentierte die Gruppe mit der Cyanotypie, einem analogen Verfahren der aus der frühen Fotografie. Hierbei wurden mitgebrachte und gefundene Objekte auf das lichtempfindliche Papier gelegt, das die Teilnehmenden zuvor selbst hergestellt hatten. Unter ultravioletten Lampen und mit Hilfe des Sonnenlichts wurden die Bilder entwickelt und es kamen teils unerwartete Ergebnisse zum Vorschein. 

 

Der Nachmittag stand dann im Zeichen der Dunkelheit. Mit Hilfe verschiedener Lichtquellen, optischer Effekte und  Baumaterialien entstanden in den Kellern des TRAFO Schattenskulpturen, welche am Schluss des Workshops in einer Abschlusspräsentation mit Rundgang der ganzen Gruppe gezeigt und gemeinsam diskutiert wurden. 

Alle Experimente und deren Ergebnisse wurden von Paul Knop videografisch festgehalten. Der entstehende Film soll im Herbst Teil der Ausstellung von »Künstlerische Tatsachen« werden.

 

»Als Lichtkünstlerin ist es mir ein Anliegen, auch die kritischen Phänomene des Lichts weiterzugeben«, erzählt Rosmarie Weinlich, die den Workshop geleitet hat. »Lichtverschmutzung ist ein modernes Phänomen, das die menschengemachte künstliche Aufhellung des Nachthimmels beschreibt. Es hat massive Auswirkungen auf die Flora und Fauna – dafür möchte ich in meinen Workshops sensibilisieren.«

Gabriel Dörner hat die Workshopreihe initiiert und betont zudem den Aspekt der künstlerischen Forschung, der dem Konzept zugrunde liegt: »Wir ermöglichen Lernräume, die vom kreativen Experiment leben. Durch das spielerische Ausprobieren mit Licht und Schatten konnten die Teilnehmenden zu neuen Erkenntnissen über physikalische Phänomene gelangen. Und über die künstlerischen Präsentationsformen konnten sie beispielsweise etwas über die negativen Aspekte von Licht in unserer Kulturlandschaft zum Ausdruck bringen.«

Gemeinsame Abschlusspräsentation am Ende des Workshops. Foto: Anna Perepechai