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Future Health under (Self-)Surveillance. Überwachung von Körper und Psyche in Literatur und Alltagspraxis

Fiktionale Romane oder Filme und TV-Serien wie Charité entwerfen seit Jahren Zukunftsbilder medizinischer und pflegerischer Versorgung. Dabei verhandelt Literatur in ihren Erzählwelten Gesundheit, Krankheit, Pflege und Versorgung oftmals im Kontext mit (Selbst-)Überwachungstechnologie und erzählt ihre Geschichten in einer nahen Zukunft. So macht sie gesellschaftliche und ethische Herausforderungen zukünftiger Medizin sichtbar.

Future Health under (Self-)Surveillance untersucht im Dialog mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen, wie Literatur Zukunftsbilder medizinischer und pflegerischer Versorgung unter zunehmender (Selbst-)Überwachung entwirft: Wie stellen wir uns Zukunft vor? Welche Narrative haben wir? Was hoffen wir, vor was haben wir Angst, welche Herausforderungen imaginieren wir?

Fiktionale Narrative sind zentral, da sie medizinische Zukunft nicht technisch erklären, sondern an Figuren erfahrbar machen: Literatur erzählt von Überwachung der Körper, Verletzlichkeit, Fürsorge und Kontrolle und eröffnet so einen Aushandlungsraum, in dem komplexe medizinische Entwicklungen vorstellbar werden.

Im Fokus stehen fiktionale Texte zu vier brennenden Themen unserer Gegenwart:

  1. Überwachung und Pflege
  2. KI-gestützte Psychotherapie
  3. Tracking weiblicher Körper-/Zyklusdaten
  4. Versorgungs(un)gerechtigkeit.

Zu jedem dieser Thema wird eine öffentliche Veranstaltung mit Bürgerinnen und Bürger stattfinden: In einem kuratierten Denklabor zwischen Literatur und Pflegepraxis diskutieren und erdenken Pflegekräfte, Angehörige und Stadtbevölkerung Szenarien der zukünftigen Pflege mit Überwachungstechnologien oder Pflegerobotern. In einem KI-Schreibexperiment für Schüler:innen und Studierende produzieren die Teilnehmenden kleine Zukunftsszenarien und Geschichten im Kontext von mentaler Gesundheit und Selbstüberwachung. In einem Shared-Reading-Circle wird gemeinsam in der Frauenarztpraxis ein Roman über weibliche Körper und Überwachung gelesen und Gedanken und Interpretationen geteilt. Eine Lesung an einem Kiosk in der Stadt erreicht Passantinnen und Passanten: Hörbar und „snackbar“ wird ein literischer Roman, der „die Medizin der Zukunft“ in verschiedenen historischen und gegenwärtigen Zukünften imaginiert.

Zukunftsnarrative mit Bürger:innen zu verhandeln und einen gemeinsamen Denkraum zu öffnen, in dem Fragen nach Überwachung und Medizin im Möglichkeitsraum der Literatur und Alltags diskutierbar werden, ist das Ziel dieses Projekts.

Dr. Sabrina Huber

Projektleitung

Dr. Sabrina Huber ist Postdoktorandin in der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. In ihrer Dissertation zu Überwachungsnarrativen in der Gegenwart forschte sie zu Erzählungen über (Selbst-)Überwachung von Körpern, Gesundheit und Krankheit. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören außerdem das Verhältnis von Literatur und Politik sowie Protesterzählungen. Derzeit arbeitet sie an einer Studie zu erzählten Konflikten um natürliche Ressourcen wie Wasser, Wald oder Land in der Literatur.

Kontakt: sahuber@uni-wuppertal.de

Foto © Ralf Schultheiß

Sandra Hein

Studentische Projektassistenz

Sandra Hein studiert Germanistik im Master an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Ihren Bachelorabschluss in Germanistik und Geschichte schloss sie 2024 in Düsseldorf ab. Ihr Interesse gilt der Verbindung von Literatur, Medizin und digitaler Gesellschaft, was sich in der Beschäftigung mit Autor:innen wie Thomas Mann oder E.T.A. Hoffmann spiegelt.

Kontakt: futurehealth@uni-wuppertal.de