Technische Universität München (TUM)

Science Snack

Schnelle Fakten:

  • Darmkrebs ist inzwischen die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern unter 50 und die zweithäufigste bei Frauen
  • Die höchste Inzidenz haben Menschen über 50 Jahren aber seit einigen Jahrzehnten steigt die Inzidenz für junge Menschen
  • Dieser Trend wird überwiegend in westlichen Ländern beobachtet
  • Die Gründe sind vielfältig aber der Lebensstil (Sport, Ernährung, Rauchen, Alkohol) spielen neben einer genetische Prädisposition eine große Rolle

Wer ist betroffen von Darmkrebs?

Darmkrebs (colorectal cancer) tritt vermehrt ab dem Alter von 50 Jahren und aufwärts auf, wobei die Inzidenz für diese Altersgruppe sinkt durch häufigere Inanspruchnahme von Frühuntersuchungen wie Darmspiegelung. Die Inzident für Darmkrebs bei jungen Menschen unter 50 Jahren (early onset colorectal cancer, EOCRC) steigt wiederum seit einigen Jahrzehnten.

Wo entsteht Darmkrebs?

Überwiegend ist der Kolon, also der Dickdarm oder das letzte Stück des Darms, der Mast- bzw. Enddarm betroffen. Frühmanifester Darmkrebs bei Menschen unter 50 Jahren zeigt sich häufiger auf der linken Darmseite sowie im Rektum, während Darmkrebs bei über 50 Jährigen häufiger auf der rechten Darmseite.

Darmkrebs beginnt mit einer gutartigen Wucherung im Darm. Im Darm kommt es immer wieder zu diesen gutartigen Wucherungen. Sie sind erstmal harmlos und bilden sich manchmal selbst zurück. 20-30% dieser Wucherungen sind spezielle Wucherungen und werden Adenome genannt. Adenome bleiben zunächst in der innersten Darmschicht, der Mucosa. Mit der Zeit kann sich ein Adenom über mehrere Stufen zu einem Tumor entwickeln, der  die Muskelschicht des Darms durchbrechen kann und im schlimmsten Fall in andere Organe wandert. Das nennt man Metastasierung.

EOCRC

Early onset colorectal cancer (EOCRC) beschreibt frühmanifesten Darmkrebs bei jungen Menschen unter 50 Jahren. Durch verbesserte Diagnostik werden mehr Krebsfälle erkannt aber dies ist nicht der einzige Grund für die steigende Inzidenz.

Weltweit steigen die EOCRC Raten überwiegend in westlich geprägten Ländern. In Deutschland nimmt die Darmkrebsrate bei Menschen zwischen 20-49 jedes Jahr um etwas mehr als 1% zu. Das klingt erstmal wenig – wenn die Zahlen über Jahre hinweg jedes Jahr um diesen kleinen Betrag steigen, summiert sich das zu einer erheblichen Mehrbelastung und bedeutet für die betroffene Altersgruppe ein deutlich höheres Risiko als noch für die Generation davor.

Gründe für die steigenden Fallzahlen

Die eine Ursache für die steigende Inzidenz ist nicht gefunden und man geht davon aus, dass mehrere Faktoren gleichzeitig zu den höheren Fallzahlen beitragen. So wird ein westlicher Lebensstil als wesentlicher Einflussfaktor diskutiert. Seit den 1950ern verbringen wir unseren Alltag überwiegend sitzend, verbrennen weniger Kalorien. Zusätzlich ist der Konsum von hochverarbeiteten, meist hochkalorischen Lebensmitteln sowie süßen Getränken gestiegen. Als Resultat ist die Rate an Übergewicht und Adipositas gestiegen, auch bei Kindern und Jugendlichen.  Sowohl mangelnde Bewegung als auch Übergewicht/Adipositas gelten als Risikofaktoren für Darmkrebs. Ein weiterer Risikofaktor für Darmkrebs ist Rauchen. Die steigenden Verfügbarkeit von E-Zigaretten führt zu früherem und höherem Konsum, besonders bei unter 18 Jährigen. Desweiteren erhöhen regelmäßiger Alkoholkonsum, Verzehr von rotem Fleisch, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn das Risiko für EOCRC. Es wird auch übermäßige Antibiotika Einnahme diskutiert, die das Darmmikrobiom zurücksetzt und anschließend ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms entstehen kann.

Ballaststoffe = (Kein) Ballast für den Darm

In westlichen Ländern ist ein Großteil der Nahrung hochverarbeitet, was an sich kein Problem darstellt. Es wird erst zum Problem, wenn sich überwiegend von solchen Lebensmitteln ernährt wird. Unser Darm beherbergt viele Milliarden Bakterien, die uns helfen, die aufgenommene Nahrung zu verdauen. Sie ernähren sich von diversen Ballaststoffen, mit denen sie sogenannte kurzkettige Fettsäuren produzieren, die positive und schützende Effekte auf unsere (Darm-) Gesundheit haben. Neben den löslichen Ballaststoffen, die Bakterien verstoffwechseln, um kurzkettige Fettsäuren zu produzieren, gibt es auch unlösliche Ballaststoffe, die wie eine Besen durch den Darm wandern und alle unverdauten und verdauten Essensreste rauskehren. Um diese Effekte zu erhalten, gilt die Daumenregel, dass man pro Tag ca. 30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen soll. Die 3. Bayerische Verzehrstudie (2021-2023) zeigte eine durchschnittliche tägliche Ballaststoffzufuhr von 16 g, also knapp die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis! Diese Lücke wird als „Fiber Gap“ bezeichnet.

Symptome bei Darmkrebs

Darmkrebs entwickelt sich langsam und die ersten Symptome sind häufig unspezifisch, sodass man beim Auftreten dieser Symptome nicht sofort an Darmkrebs denkt.

Zu den Symptomen gehören:

  • Veränderte Stuhlgewohnheiten: Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Blässe und Blutarmut sind Hinweise darauf, dass der Darm längere Zeit unbemerkt leicht geblutet hat
  • Deutlicher Gewichtsverlust und Schwäche
  • Sichtbares Blut im Stuhl
  • Mehr Schleimablagerungen auf dem Stuhl

Neben vorbeugenden Maßnahmen (ballaststoffreiche Ernährung (30 g pro Tag), 2-3 L Wasser täglich, täglicher Bewegung und einer Reduktion von Alkohol und Tabak auf ein Minimum) kann beim Gastroenterologen per Darmspiegelung überprüft werden, ob Polypen, Adenome oder Tumore im Darm vorliegen. Diese Untersuchung wird in Deutschland ab 50 Jahren von der Krankenkasse übernommen und bei unauffälligem Befund alle 10 Jahre wiederholt. Bei erhöhten Risikofaktoren oder Symptomen sollte eine Untersuchung schon früher erfolgen. Bei Symptomen oder bei einer genetischen Prädisposition wenn im engeren Familienkreis Fälle von Darmkrebs diagnostiziert wurden, sollte eine enge Absprache mit einem Arzt erfolgen und eventuell schon früher eine Darmspiegelung durchgeführt werden.

 

Quellen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37105987/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36471648/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40674064/

https://www.hankgreen.com/crc

https://www.debra-study.info

Deutsche Krebshilfe