Wir legen los

Wie sieht es eigentlich aus in Bremen und umzu mit der Anerkennung von non-formalen/informellen Kompetenzen? Um den aktuellen Stand der Dinge aufzunehmen, haben wir dazu in die Bremer Arbeitnehmerkammer eingeladen. Mit dabei waren Vertreter*innen von Institutionen, die aktuell bereits mit der Validierung beschäftigt sind – sowohl beratend als auch validierend – wie das DGB Bildungswerk, die Senatorin für Bildung und Kinder, die Bremer Dienstleistungs GmbH, die Anerkennungsberatung vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, die Unternehmensverbände im Lande Bremen, das Schulzentrum Bremen Neustadt, der Westdeutsche Handwerkskammertag, die IHK Bremen, die Handwerkskammer Hamburg, das Institut für berufliche Bildung Arbeitsmark- und Sozialpolitik GmbH (INBAS), das Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Uni Bremen, die Arbeitnehmerkammer Bremen und die Ingenieurskammer Bremen.

Aber noch mal einen Schritt zurück: Worum geht es uns eigentlich? Mit der Arbeitswelt verändert sich auch der Zugang zum Arbeitsmarkt. Durch Fachkräftemangel (z. B. in der Pflege) oder Zuwanderung werden auch Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt relevant, die nicht über klassische Berufsqualifikationen erworben wurden. Man spricht hier von so genannten non-formalen/informellen Kompetenzen, kurz VPL (Validation of Prior Learning). Das Thema hat auch aktuelle politische Relevanz. Denn entsprechend einer Empfehlung des Europäischen Rates zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens vom 20.12.2012 soll Deutschland Ende dieses Jahres eine Strategie ausgearbeitet haben, wie nonformale und informelle Kompetenzen validiert werden können.

Insgesamt gab es einen anregenden Austausch zum Thema. Diskutiert wurde beispielsweise die Frage nach den Standards: Inwiefern möchte man bestehende Validierungsmöglichkeiten beibehalten? Oder anders formuliert: Welche Veränderungen müssen in den bereits bestehenden Verfahren getroffen werden, um Validierung über formale Zertifikate hinaus zu öffnen? Neben diesen ganz grundsätzlichen politischen Fragen haben sich auch zwei Leuchtturmprojekte vorgestellt: Prototyping Transfer „Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen“ aus Hamburg und ValiKom aus Düsseldorf. Beide werden derzeit vom BMBF gefördert. Sie erheben und validieren bereits erfolgreich nonformale/informelle Kompetenzen und machen deutlich: Es gibt offenbar deutlich mehr Möglichkeiten der Validierung als zur Zeit tatsächlich umgesetzt werden.

Vor allem bestehen Bedarfe, für die Lösungen in Form von Validierungsverfahren entwickelt werden müssten. So kann die Bremer Bildungsbehörde von einem Fachkräftemangel in den Bereichen Pflege und Erziehung berichten. Laut einer Studie des IAW (Böhme/Heilbült 2017) haben alleine aus dem Bereich Erziehung sich im letzten Jahr knapp 60 Arbeitnehmer*innen für eine Validierung ihrer Kompetenzen interessiert. Leider können bislang die von ihnen vorgelegten Zertifikate nicht anerkannt werden. Die Entwicklung und Umsetzung eines entsprechenden Validierungsverfahrens wird seitens der zuständigen Behörde derzeit nicht angestrebt. Das wird jedoch der aktuellen Situation des Arbeitsmarktes nicht gerecht. Denn 60 Erzieher*innen mehr pro Jahr würden sowohl die Mitarbeiter*innen in den Bremer Kitas als auch die Bremer Eltern bereits als ungeheure Entlastung empfinden.

Es wird also Zeit, dass sich etwas ändert. Wir machen uns deshalb dran, durch unser Projekt Appsolut Kompetent! auf genau diese beruflichen Kompetenzen aufmerksam zu machen, die nicht über klassische und anerkannte Qualifikationen erworben wurden, die sie aber dennoch für weitere oder andere berufliche Tätigkeiten qualifizieren können. Im Laufe des Wissenschaftsjahres Arbeitswelten der Zukunft werden wir durch interaktive Einbindung zum einen Bürger*innen über eine App/ein Webportal sich ihrer individuellen Kompetenzen bewusst werden lassen und zum anderen Arbeitgeber*innen sowie Arbeitnehmervertreter*innen für VPL sensibilisieren sowie mit ihnen entsprechende Validierungsmöglichkeiten diskutieren.

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