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Im Rahmen der Maritimen Woche 2018 stellte sich die Bremer Forschungslandschaft der Öffentlichkeit vor. Auch wir haben diese Chance genutzt und aus unserer Arbeit im Rahmen von Appsolut Kompetent berichtet. Unter dem Titel „Erfahrungswissen als Chance auf dem Arbeitsmarkt – Ein Blick auf den Stellenwert und die Anerkennungsmöglichkeiten von informellen Kompetenzen“ hielt Projektmitarbeiterin Franziska Laudenbach am 17. September 2018 einen Vortrag im Haus der Wissenschaft Bremen.

Und darum ging es:

Der Fokus des Vortrags lag dabei zunächst darauf, in das Thema „Informelles Lernen als Erfahrungslernen“ einzuführen. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass bereits wenige Jahre nach der Erstausbildung der überwiegende Teil unseres beruflichen Lernens am Arbeitsplatz, im Austausch mit Kolleg*innen und Expert*innen, in der Freizeit, oder durch die Nutzung von nicht pädagogischen Medien erfolgt (Severing 2015). Gleichzeitig beruht Arbeit zunehmend auf Wissensarbeit und Wissensbeständen, die stetig angepasst und erweitert werden müssen. Im Sinne eines „Arbeitskraftunternehmers“ (Voß/Pongratz 1998) sind wir also darauf angewiesen, unsere Wissensbestände anzupassen und auf dem Arbeitsmarkt verwertbar zu machen. Auch der bestehende Fachkräftemangel bspw. im Bereich der Pflege und Erziehung sowie die bestehende Arbeitslosigkeit beruflich Geringqualifizierter, die aber dennoch über viele Erfahrungen verfügen, erhöhen den Stellenwert von Erfahrungswissen.

Gleichzeitig gab der Vortrag einen Einblick in bestehende bildungspolitischen Ansätze, die das Ziel der Europäischen Union, „die vielfältigen und umfangreichen Lernerfahrungen von Einzelnen sichtbar zu machen“ und “diesen Lernerfahrungen […] einen angemessenen Stellenwert zu verschaffen” (Cedefop[1] 2015: 15) im Blick haben. Erste Ansätze bestehen in Deutschland durch das Anerkennungsgesetz[2] und die Externenprüfung[3], die zwar im formalen Berufsbildungssystem verankert sind, aber die Berücksichtigung von Erfahrungswissen ermöglichen. Darüber hinaus läuft das vom BMBF finanzierte Projekt ValiKom[4], welches sich explizit mit der Validierung beruflicher Kompetenzen in einem anerkannten Ausbildungsberuf beschäftigt und insbesondere berufliche Kompetenzen, die nicht durch formale Dokumente belegt werden können, berücksichtigt. Deutschland ist also auf dem Weg, die europäische Idee der Validierung informeller und non-formaler Kompetenzen umzusetzen.

Im Rahmen des Vortrags konnten wir auch unsere Web App „Appsolut Kompetent! Show your skills“ vorstellen. Mit dieser App untersuchen wir, welche außerfachlichen Kompetenzen Bürger*innen beruflich einbringen. Uns interessiert dabei auch, ob und inwiefern sich dadurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern und welche Validierungsverfahren für informelle Kompetenzen bereits existieren. Das sehr interessierte Publikum hatte die Möglichkeit, diese direkt im Anschluss an den Vortrag auszuprobieren und sich der eigenen Erfahrungen bewusst zu werden.

Und hier kann sie ausprobiert werden: https://www.appsolutkompetent.uni-bremen.de/

Literatur:
Cedefop (2015). European Guidelines for Validating Non-formal and Informal Learning. Cedefop reference series 104. Luxembourg: Publications Office of the European Union.

[1] Cedefop: Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung.

[2] Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen.

[3] Zulassung zur Gesellen-/Abschlussprüfung in besonderen Fällen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) §45 Abs.2 sowie nach der Handwerksordnung (HwO) §37 Abs.2.

[4] ValiKom – Berufsrelevante Kompetenzen bewerten und zertifizieren.

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