„Wir schaffen das!“ – Bericht aus Fulda

„Wir schaffen das!“ – mit diesem starken, hoffnungsfrohen Ruf der Teilnehmer*innen schloss das The Future of Labour-Erzählcafé in Fulda am 7.11.2018 in den Räumen der Deutschen Familienstiftung.

Eingeladen hatten im Namen des Team Labour die Professorin für Hebammenwissenschaft der Hochschule Fulda, Dr. Babette Müller-Rockstroh gemeinsam mit den lokalen Kooperationspartner*innen Prof. Dr. Ludwig Spätling, Vorsitzender der Deutschen Familienstiftung, Julia Spätling, Geschäftsführerin der Deutschen Familienstiftung sowie Donum Vitae, vertreten durch Monika Darimond.

 

Hebammen aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen (freiberuflich in Praxis oder Geburtshaus, in der Klinik im ärztlich geleiteten oder Hebammengeleiteten Kreißsaal, Beleghebammen, sowie in der hochschulischen Lehre tätige Hebammen), ein ehemaliger Chefarzt und zwei noch tätige Chefärzte, eine Oberärztin, ein niedergelassener Gynäkologe sowie eine Assistenzärztin, Vertreterinnen von rund um die Geburt arbeitenden Institutionen (Pro Familia, Sozialdienst katholischer Frauen, Frühe Hilfen), eine Doula, Stillberaterinnen und Pflegende der Mutter-Kind Station, mehrere Mütter & Väter, teilweise zusammen mit ihren Kindern sowie die 2. Vorsitzende des Hebammenverbandes des Landes Hessen waren dieser Einladung gefolgt. Eine Besonderheit des Erzählcafé in Fulda bestand in der Präsenz und kritischen Mitdiskussion von Hebammenstudentinnen unterschiedlicher Semester aus dem Bachelor-Studiengang Hebammenkunde der Hochschule Fulda.

Ganz unterschiedliche Personen aus den Arbeitswelten rund um die Geburt folgten so dem Interesse, sich über den Wandel und die Zukunft der Arbeit auszutauschen.

Die offensichtliche ‚bunte‘ Vielfalt der anwesenden professionellen Versorgenden demonstrierte jedoch gleichzeitig die ‚weißen Flecken‘ in der lokalen beruflichen Landschaft und Mängel der Zusammenarbeit, wie sie denn später auch an den Tischen angesprochen wurden.

Im Fokus der ersten Gesprächsrunde – der kritischen Bestandsaufnahme der derzeitigen Arbeitswelten rund um die Geburt – stand an vielen Tischen die erhöhte Arbeitsbelastung im Klinikbetrieb; sowohl Hebammen als auch Ärzt*innen gaben diese als Grund an, lieber niedergelassen arbeiten zu wollen, oder erst gar nicht in den Klinikbetrieb einsteigen zu wollen. Hebammenmangel wurde als Hauptgrund für die gestiegene Arbeitsbelastung in der klinischen wie außerklinischen Arbeitswelt genannt, die Suche nach Hebammen in der Frühschwangerschaft für die Betreuung im Wochenbett als belastend von Müttern und Vätern beschrieben und ganz konkret für Fulda Hebammen-verwaiste Gebiete benannt. Gepaart mit dem ebenfalls wachsenden Mangel an Ärzt*innen wurde die Frage der zunehmenden geburtshilflichen Interventionen diskutiert, das Nicht-Mehr-Warten-Können von Hebammen und Ärzten als Ausdruck einer qualitativ veränderte Arbeitszeit.

 

 

 

 

 

Einigkeit herrschte denn auch in den Wünschen an die Zukunft in der zweiten Gesprächsrunde: dringend mehr Hebammen brauche es insgesamt sowie mehr Hebammen, die ganz früh in der Schwangerschaft in die Versorgung von Frauen und Familien einsteigen.

Kontrovers diskutiert vor allem an einem Tisch wurde die Frage der Zentralisierung geburtshilflicher Abteilungen; ebenso deutlich und klar formuliert der Wunsch, kurze Wege zum Geburtsort zu haben und somit lange zu Hause bleiben zu können und dort betreut zu werden. In der Zukunftsphase wurde hier ein vorsichtiger visionärer Kompromiss mit dem Ausdruck ‚Krankenhäuser müssen Geburtshäuser sein‘ von den Studentinnen dieser Gruppe präsentiert. Dieser traf sich mit Wünschen von anderen Tischen nach einem „Geburtshaus auf Klinikgelände?“ oder einer „integrierten Einrichtung“, die geprägt sei von „wertschätzender Zusammenarbeit“.

 

 

 

 

 

Gegenseitige Wertschätzung  ein weiterer großer Wunsch, den die Mehrheit der Tische in ihre ‚Drei Wünsche‘ packten. Gewünscht: Wertschätzung gegenüber den Müttern und Vätern, die eigene Entscheidungen treffen bezüglich ihrer Geburt und des Geburtsorts; gegenüber der Hebamme, die den Beruf nun studiert; gegenüber der Hebamme, die bewusst in einer großen Klinik arbeitet und damit 90% aller Frauen versorgt; gegenüber der Hebamme, die nur (noch) in einer hebammengeleiteten Einrichtung Geburtshilfe leisten will und gegenüber der, die freiberuflich Schwangere und Wöchnerinnen betreut und sich gute Zusammenarbeit mit Kliniken und niedergelassenen Frauenärzt*innen wünscht; aber auch Wertschätzung gegenüber Ärzt*innen, die aus Erfahrung mit erlebten Verlegungen aus der außerklinischen Geburtshilfe sich eben diese nur in Nähe zur Klinik oder mit Blick über den nationalen Tellerrand als ‚Kreißsaal‘ anderer Couleur vorstellen mögen.

Verbesserte Zusammenarbeit – von allen formuliert „gewünscht“ und doch auch  kontrovers diskutiert in dem Wunsch anwesender Ärzte doch auch die physiologische Geburt gemeinsam zu betreuen und dem Wunsch anwesender (werdender) Hebammen, für diese ganz allein zuständig zu sein. Besitzstandswahrung und Teamwork – noch nicht ausdiskutiert.

Auffällig: die Akademisierung von Hebammen kein explizit eigenes Thema – vielleicht weil in Fulda mit dem im Herbst 2012 angefangenen Studiengang die Präsenz akademisch ausgebildeter Hebammen keine Frage, sondern schon die Antwort ist?!

 

 

 

 

Am Ende von drei Stunden The Future of Labour-Erzählcafé auf Augenhöhe, mit Respekt und visionären Zukunftsentwürfen auch ganz konkrete Vorstellungen für mögliche Verbesserungen in der Versorgungslandschaft Fulda, die einige Teilnehmer*innen angehen wollen.

 

 

 

„Wir schaffen das!“ das durch die Photographin Nicole Dietzel angeregte Credo des Abends schafft lachende Gesichter, Lust auf mehr und Mut. Vielen Dank für die Fotos dieser Veranstaltung und vielen Dank an alle Teilnehmenden, Tisch-Moderatorinnen, Kooperationspartner und studentische HiWis!

Finanziell wurde das Erzählcafé ferner unterstützt durch die Sparkasse Fulda.

 

Für die Zukunft!

Euer Team Labour

 

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