#Hausbesuch in Konstanz – Sneak Preview der Ausstellung „link – ki“

Anfang Juli stand der nächste #Hausbesuch an: Diesmal ging die Reise nach Konstanz zum Team „Künstliche Intelligenz – Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer Verheißung“, um ihm bei den letzten Vorbereitungen der Ausstellung “link-ki; link zur künstlichen intelligenz” über die Schulter zu schauen. Vor Ort, im Turm zur Katz, trafen wir auf ein höchst motiviertes Team, das den sommerlichen Temperaturen trotzte und die letzten Handgriffe in den Räumlichkeiten tätigte. Wir erhielten eine Vorab-Führung und sprachen mit einigen Mitgliedern des Teams über die Motivation, eine Ausstellung zum Thema Künstliche Intelligenz zu konzipieren sowie über die Herausforderungen, die die Umsetzung eines studentischen Projekts dieser Größe – sie erstreckt sich über vier Stockwerke – mit sich bringt.

Ein kleiner Einblick in die Platine. Foto: Gesa Hengerer, Wissenschaft im Dialog.

Ambitioniert – interdisziplinär – professionell.

Diese drei Stichwörter beschreiben das Projekt wohl am besten. „Ambitioniert, weil wir eine Ausstellung über vier Stockwerke konzipiert haben, deren Inhalte sehr komplex sind. Interdisziplinär, weil wir mit Studiengängen von drei Universitäten und Hochschulen zusammengearbeitet haben – nämlich Informatik und Informationswissenschaften, Geschichte, Architektur und Kommunikationsdesign sowie Musikdesign. Und professionell, weil die Ausstellung von Studierenden auf die Beine gestellt wurde, aber locker mit einer Ausstellung, die von einer professionellen Agentur konzipiert wurde, mithalten kann!“, erklärt Jan Behnstedt.

Wir sitzen noch im kühlenden Schatten vor dem Turm und die Koordinatoren des Teams erzählen uns mehr über ihr Projekt: Daniel Klinkhammer von der Arbeitsgruppe Mensch-Computer-Interaktion sowie Jan Behnstedt, Dozent für Medien und Geschichte, beide von der Universität Konstanz. Nebenbei feilen Studierende und Lehrende an den letzten Verbesserungen der Ausstellungstexte. Bereits da merken wir, dass dieses Projekt sehr von den verschiedenen Fachrichtungen und damit den unterschiedlichen Herangehens- und Sichtweisen profitiert. Mehr als 80 Personen haben über zwei Semester lang an dieser Ausstellung gearbeitet. Sie stellen das größte Hochschulwettbewerb-Gewinnerteam 2019 dar.

Ebenso wie die Mitglieder des Teams sind auch die Themen dieser Ausstellung  interdisziplinär ausgerichtet: Von den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt, über neue künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten mit KI bis hin zu technischen Details. Die vier Ebenen des Turms bieten ausreichend Platz, um umfangreich zu informieren und zum Nachdenken anzuregen.

Wir bekommen eine persönliche Führung durch die Stockwerke, deren Aufbau an das „Gehirn“ eines Computers erinnert: Desktop, Platine, Server und Cloud. Man könnte Stunden in jedem Raum verbringen, denn die Studierenden haben viele spannende Inhalte in die kurzen Texte und Details der einzelnen Exponate gesteckt. Folgt man zum Beispiel den neuronalen Netzwerken, die an den Wänden und dem Boden der Platine die einzelnen Ausstellungsstücke miteinander verknüpfen, spinnen sich die aufgenommenen Informationen zu einem Netz zusammen, da die Texte aufeinander Bezug nehmen. Besonders gefällt uns, dass das Publikum durch bestimmte Fragen dazu angeregt werden soll, Künstliche Intelligenz auch kritisch zu hinterfragen.

Zwei der Fragen, die im Rahmen der Ausstellung aufgeworfen werden. Foto: Gesa Hengerer, Wissenschaft im Dialog.

Doch wie kommt man zu der Idee, so eine Ausstellung zu konzipieren und generell zu einer Kooperation zwischen Informatikern und Historikern – einer fachlichen Kombination, die zumindest auf den ersten Blick nicht besonders naheliegt?

„Die Kooperation zwischen den Lehrbereichen Informatik, Geschichte, Kommunikationsdesign und Architektur existiert bereits seit einigen Jahren, wobei alle zwei Jahre eine gemeinsame Ausstellung konzipiert wird“, erzählt Daniel Klinkhammer. Er ist bereits bei der dritten Ausstellung dabei. In den letzten Jahren wurden indes immer geschichtlich-archäologische Ausstellungen konzipiert. Dieses Jahr ist das anders. Das Thema Künstliche Intelligenz hat Jan Behnstedt ins Spiel gebracht: „KI wird ja schon länger als ‚Dauerbrenner‘ gehandelt, jedoch werden meistens nur rein technische Aspekte erklärt.“

Das Interesse für dieses Thema kam primär durch den Wunsch, Künstliche Intelligenz nicht als rein technisches Feld zu betrachten, sondern als breit gefächertes Anwendungsgebiet zu erklären. Das Team zeigt Praxisbeispiele Künstlicher Intelligenz auf, etwa in der Kunst oder im Recht, beleuchtet ihre Geschichte und geht auf unterschiedliche Zukunftsperspektiven ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass die technische Komponente außen vorgelassen wird. Ganz im Gegenteil: Unter den Exponaten befindet sich beispielsweise auch ein Videospiel, was die Lernprozesse der Künstlichen Intelligenz im Spiel erklärt. Eine zentrale Idee des Organisationsteams war es, das Museum als Living Lab zu sehen. „Die Studierenden können sich im Living Lab ausprobieren und sollen bei der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung lernen – nicht nur Inhalte über Künstliche Intelligenz, sondern insbesondere über die Möglichkeiten, wie Wissen vermittelt werden kann und dass diese Tätigkeit durchaus als späterer Arbeitsbereich für sie denkbar wäre“, führt Daniel Klinkhammer aus.

Der Aufbau der Cloud. Foto: Gesa Hengerer, Wissenschaft im Dialog.

Wer Lust bekommen hat, die Ausstellung zu besuchen: Bis zum 8. September 2019 könnt ihr sie im Turm zur Katz in Konstanz besichtigen! Die Studierenden bieten auch zu bestimmten Zeiten Führungen durch die Räumlichkeiten an.

Für alle, die nicht die Möglichkeit haben, bis September nach Konstanz zu fahren, gibt es aber auch gute Neuigkeiten: Konzipiert als Wanderausstellung geht sie danach auf Reisen. Vielleicht kommt sie auch in eure Stadt?

Wer noch mehr über die Ausstellung und das Team erfahren möchte, kann dies auf der Webseite und auf der Blogpage des Teams tun.

 

Zum Abschluss gibt es natürlich auch für das Konstanzer Team eine Schnellfragerunde:

(Text: Gesa Hengerer, Wissenschaft im Dialog)

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