#Hausbesuch in Würzburg beim Team „Generierung asemischer Sprachen“

Kurz vor der Weihnachtszeit, in der letzten Novemberwoche, besuchte Wissenschaft im Dialog das Team der Julius-Maximilians-Universität, Würzburg. Das Team „Generierung asemischer Sprachen“ besteht aus den zwei Studierenden Alexander Weigand und Jannis Maroscheck und dem Teambetreuer Prof. Florian Niebling. Die Studenten der Mensch-Computer-Systeme und des Kommunikationsdesign hatten sich zusammengetan um gemeinsam eine „neue“ Sprache mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu kreieren. Das ist natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt. Deshalb baten wir das Team uns ihre Arbeit und ihre Ergebnisse genauer zu erklären.

Was bedeutet also „Generierung asemischer Sprachen“? 

Das Wort asemisch bedeutet „ohne spezifischen semantischen Inhalt“ oder „ohne die kleinste Bedeutungseinheit“. Die neu generierten Sprachen basieren zwar auf einer Ausgangssprache (in diesem Fall deutsch und englisch), sollen sich also wie deutsch und englisch anhören, die generierten Wörter haben im Deutschen und Englischen aber keinerlei Bedeutung und existieren nicht im Wörterbuch.

Aber warum generiert man eine Sprache die keine semantische Bedeutung hat? 

Da Prof. Niebling und Alexander am Lehrstuhl der Mensch-Maschine-Interaktion lehren bzw. studieren, liegt es natürlich Nahe, dass auch in diesem Projekt, am Ende die Interaktion von Menschen mit den von Computern neu-generierten Sprachen im Vordergrund steht. Das Projekt soll demnach genutzt werden, die Wirkung der semantisch bedeutungslosen Sprachen auf den Menschen zu erforschen. Avatars könnten hier als kulturelle Agenten dienen. Durch die Generierung einer bedeutungslosen Sprache könnte man erforschen wie Sprache auf verschiedene Kulturkreise wirkt und ob sich das Verhalten der Menschen, die mit dem Avatar interagieren, verändert. Auch der Frage nach der Bedeutung des Klanges der Sprache könnte nachgegangen werden. Erkennt jemand der kein englisch oder deutsch spricht die neu-generierten Sprachen als die selbigen? Wie kann man die Ähnlichkeit von Sprachen objektiv messen? Was würde das für die Entwicklung und den Aufbau unserer Sprachen bedeuten? Das sind Fragen die sich das Team stellt und gerne an andere Forschende herantragen möchte. 

Wie funktioniert das aber nun also, das Generieren von asemischen Sprachen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz?

(Foto: Peppi Boesler, WiD)

Alexander erklärt uns, dass die Generierung der Sprachen mehrere Schritte durchlaufen. Die Texte, die die beiden Studenten erzeugen, werden bislang nicht direkt generiert, sondern mit neugenerierten Wörtern ersetzt. Die Datensätze des Teams basieren alle auf Texten die vom europäischen Parlament veröffentlicht wurden und hören sich demnach oft ein bisschen nach „Beamtenprosa“ an, kommentiert Prof. Niebling. Die Studenten extrahieren also den Text und lassen ihn dann von einer KI in Lautsprache übersetzen. Daraufhin werden die Wörter in Lautsprache manuell (regelbasiert) nach Endungen getrennt. Ein rekurrentes neuronales Netz (Recurrent neural network) berechnet dann die Wahrscheinlichkeit mit welcher gewisse Laute auf andere Laute folgen und generiert so Wörter, die in ihrer Lautfolge der deutschen bzw. englischen Sprache ähneln sollen. Wörter die bereits existieren werden dann natürlich noch aussortiert. Daraufhin wird die Lautsprache auch schon wieder zurück in „normalen“ Text übersetzt. Die generierten Wörter nutzen Alexander und Jannis dann um ein Wörterbuch zu erstellen. Aber auch Texte, Dialoge und Gedichte kreieren die Zwei mit ihren neu generierten Sprachen. 

Was ihr von den Sprachen haltet und ob man die Ähnlichkeit zum deutschen und englischen herauslesen kann, könnt ihr euch bald auf der Webseite anschauen die das Team aus Würzburg online stellen will. Dort könnt ihr eigene Texte in bedeutungslose Sprache übersetzen lassen oder euch von einem der bereits generierten Gedichte inspirieren lassen. Wir sind gespannt ob bald auch eine Gedichtsammlung in den neu generierten Sprachen erhältlich sein wird…

 

Mehr Informationen zum Team „Generierung asemischer Sprachen“ findet Ihr auf der Blogpage des Hochschulwettbewerbs!

(Text: Peppi Boesler, Wissenschaft im Dialog)

 

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